Treffpunkt ErfOLgsstarter: Gründen zwischen Vision, Alltag und Wachstum
Ein Gründungsweg aus der Praxis, ein spontaner Strategieimpuls und konkrete Anlaufstellen für die nächsten Schritte: Der aktuelle Treffpunkt ErfOLgsstarter verband persönliche Erfahrungen mit fachlichem Input und ganz praktischen Unterstützungsangeboten.
Am 16. September kamen im Technologie- und Gründungszentrum Oldenburg (TGO) erneut Gründungsinteressierte, Unternehmer:innen und Akteur:innen aus dem Oldenburger Gründungsnetzwerk zusammen. Der Treffpunkt ErfOLgsstarter ist ein gemeinsames Format der
Wirtschaftsförderung Stadt Oldenburg, der
Oldenburgischen IHK, der
Handwerkskammer Oldenburg und der
NBank.
Vom Schuhlabel zum Schuhcafé mit zwei Standorten
Im Mittelpunkt des Abends stand der Gründungsweg von Bianca Both, Mitgründerin von
desenrasco. Sie berichtete offen darüber, wie sich aus einer Idee ein Unternehmen entwickelt hat, das inzwischen mit seinem Schuhcafé in Leer und einem weiteren Standort in Oldenburg vertreten ist.
Ein wichtiger Teil ihrer Motivation war von Beginn an, ein Unternehmen aufzubauen, in dem Menschen ihre fachlichen Stärken und ihre Leidenschaft einbringen können. Gerade im Schuhhandwerk bedeutet das für sie, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich Fachkräfte auf das konzentrieren können, was sie besonders gut können.
Die Verbindung zu Portugal spielt dabei eine zentrale Rolle in der Geschichte von desenrasco. Auf der Suche nach hochwertigen und langlebigen Schuhen stießen Bianca Both und Mitgründer Matthias Janßen auf die portugiesische Schuhtradition und arbeiten heute mit einer dortigen Familienmanufaktur zusammen. Auch der Markenname greift diese Verbindung auf: „desenrasco“ steht sinngemäß für die Fähigkeit, Herausforderungen kreativ und pragmatisch zu lösen.
Mit dem Schuhcafé verbindet das Unternehmen Schuhhandel und persönliche Beratung mit einem Cafékonzept und portugiesischen Einflüssen. Dass ein besonderes Geschäftsmodell in der täglichen Umsetzung gleichzeitig neue Fragen mit sich bringt, machte Both sehr anschaulich deutlich.
So berichtete sie etwa von der Herausforderung, Mitarbeiter:innen zu finden und zu qualifizieren, die sich sowohl im Cafébetrieb sicher bewegen als auch eine fundierte Schuhberatung leisten können. Hinzu kommt die Frage, wie der Übergang zwischen beiden Bereichen so gestaltet werden kann, dass Café und Schuhgeschäft tatsächlich als ein gemeinsames Konzept wahrgenommen werden.
Gerade diese konkreten Erfahrungen machten ihren Beitrag besonders greifbar: Eine gute Geschäftsidee ist der Ausgangspunkt – mit dem Wachstum entstehen jedoch immer wieder neue Anforderungen an Personal, Abläufe und Organisation.
Von der Vision zur Strategie
Der ursprünglich geplante zweite Erfahrungsbericht musste krankheitsbedingt kurzfristig entfallen. Spontan übernahm deshalb Maren Hengst vom
GO! Startup Incubator Oldenburg und ergänzte den Abend um einen Impuls zum Thema „Von Visionen zu Strategien – nicht jeder Umweg ist ein Irrweg“.
Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie sich aus einer Gründungsmotivation eine langfristige unternehmerische Richtung entwickelt. Die Präsentation unterschied zwischen Gründungsmotivation, Vision, strategischer Absicht und Strategie. Während die Vision beschreibt, wohin sich ein Unternehmen langfristig entwickeln soll, beschäftigt sich die Strategie mit dem konkreten Weg dorthin.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Geschäftsmodell und dessen Zusammenspiel mit Marktentwicklungen, der eigenen Wettbewerbsposition und den vorhandenen Fähigkeiten. Veränderungen gehören dabei zum unternehmerischen Alltag: Marktbedingungen können sich verschieben, ein Geschäftsmodell kann angepasst werden müssen oder ein Unternehmen entscheidet sich bewusst für eine neue Richtung.
Passend dazu fasste die Präsentation den Gedanken am Ende in einem einfachen Bild zusammen: Die Vision ist der Anker, die Strategie das Segel.
Der spontane Impuls ergänzte den Erfahrungsbericht von desenrasco damit passend: Ein klares Ziel gibt Orientierung – der Weg dorthin muss jedoch immer wieder überprüft und an die tatsächliche Entwicklung des Unternehmens angepasst werden.
Konkrete Unterstützung für die nächsten Schritte
Zum Abschluss richtete Jannic Jacobs von der Wirtschaftsförderung Stadt Oldenburg den Blick auf die konkreten Unterstützungsangebote, die Gründer:innen und Gründungsinteressierte in Oldenburg nutzen können. Er verwies unter anderem auf Beratungs-, Informations- und Förderangebote der Wirtschaftsförderung, der IHK und der NBank.
Dass mehrere Teilnehmer:innen die Übersicht direkt mit dem Smartphone fotografierten, zeigte sehr unmittelbar, wie relevant solche Hinweise für die Zielgruppe sind. Denn neben Erfahrungen anderer Unternehmer:innen und fachlichen Impulsen ist für viele Gründungsinteressierte vor allem wichtig zu wissen: An wen kann ich mich mit meiner konkreten Frage wenden und welche Unterstützung gibt es für meinen nächsten Schritt?
Genau darin lag auch diesmal die Stärke des Treffpunkt ErfOLgsstarter. Der Abend zeigte nicht nur den einen idealen Weg in die Gründung, sondern unterschiedliche Facetten unternehmerischer Entwicklung: eine Idee in die Praxis zu bringen, Strukturen aufzubauen, auf neue Herausforderungen zu reagieren, die eigene Strategie weiterzuentwickeln – und vorhandene Unterstützung gezielt zu nutzen.