Der Marketing Club Weser-Ems zu Gast im GO! Start-up ZentrumWie läuft ein Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ tatsächlich ab und was passiert mit einem jungen Unternehmen, wenn plötzlich ein Millionenpublikum zuschaut? Beim Abend „Pitch, Press, Profit“ des
Marketing Club Weser-Ems gaben am 31. August im Technologie- und Gründungszentrum die Gründer:innen von
Andenkraft und
Mamas Falafelteig Einblicke hinter die Kulissen des bekannten TV-Formats.
Im Mittelpunkt standen Andenkraft und Mamas Falafelteig: zwei Food-Start-ups mit unterschiedlichen Produkten, Marken und Erfahrungen in der „Höhle der Löwen“. Maren Tiemerding und Justinian Gomez Moreno von Andenkraft sowie Amjad Abu-Hamid von Mamas Falafelteig berichteten über den Weg in die Sendung, die intensive Vorbereitung auf den Pitch und darüber, welche Auswirkungen die große mediale Aufmerksamkeit auf ihre weitere Unternehmensentwicklung hatte.
Wechsel an der Spitze der Marketing Pioniere
Bevor der Blick hinter die Kulissen der „Höhle der Löwen“ begann, stand zunächst ein Wechsel bei den Marketing Pionieren an. Nach mehr als fünf Jahren als Sprecher übergab Henning Hinrichs die Aufgabe an Max Reisinger. Die Marketing Pioniere sind das Netzwerk der jungen Mitglieder des Marketing Club Weser-Ems und schaffen mit Vorträgen, Workshops und weiteren Veranstaltungsformaten regelmäßig Möglichkeiten für fachlichen Austausch und Vernetzung innerhalb der regionalen Marketing-Community.
Andenkraft: Mit Yacon in die „Höhle der Löwen“
Maren Tiemerding und Justinian Gomez Moreno haben Andenkraft gemeinsam gegründet. Das Start-up entwickelt Produkte auf Basis der südamerikanischen Yacon-Wurzel und verbindet natürliche Zuckeralternativen mit einer Markengeschichte, die eng mit Gomez Morenos familiären Wurzeln in Peru und der Zusammenarbeit mit Produzenten vor Ort verbunden ist.
Für den Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ am 23. Februar 2026 stellte sich Gomez Moreno den Investoren im Studio. Mit dem Ziel, 60.000 Euro für 20 Prozent der Unternehmensanteile einzuwerben, ging er in die Verhandlungen. Nach intensiven Gesprächen über Preisgestaltung, Skalierbarkeit und die weitere Entwicklung des Unternehmens kam es vor laufender Kamera schließlich zu einer Einigung mit Judith Williams und Frank Thelen über 80.000 Euro für 35 Prozent.
Im TGO berichteten Tiemerding und Gomez Moreno darüber, wie viel Vorbereitung tatsächlich hinter wenigen Minuten Sendezeit steckt. Geschäftsmodell und Kennzahlen müssen ebenso sitzen wie die Geschichte hinter dem Unternehmen. Gleichzeitig gilt es, ein erklärungsbedürftiges Produkt innerhalb kürzester Zeit verständlich zu vermitteln und auf kritische Nachfragen vorbereitet zu sein.
Eine Herausforderung, die weit über einen Fernsehauftritt hinausgeht. Auch im Gründungsalltag müssen Start-ups ihr Geschäftsmodell gegenüber potenziellen Kund:innen, Partnern oder Kapitalgebern verständlich und überzeugend auf den Punkt bringen. Der Austausch über solche Erfahrungen ist deshalb auch für andere Gründer:innen und Unternehmen wertvoll – und genau dafür möchten wir im TGO Raum schaffen.
Spannend war dabei auch der Blick auf die Zeit nach der Aufzeichnung: Die vor der Kamera vereinbarte Beteiligung wurde im Nachgang nicht finalisiert. Für Andenkraft war die Teilnahme dennoch weit mehr als die Aussicht auf ein Investment. Vor allem die bundesweite Aufmerksamkeit eröffnete dem Start-up die Chance, Yacon und die eigene Marke einem deutlich größeren Publikum bekannt zu machen.
Mamas Falafelteig: Unternehmensentwicklung auch ohne Deal
Einen anderen Verlauf nahm der Auftritt von Amjad Abu-Hamid, Gründer von Mamas Falafelteig. Bereits am 29. August 2022 präsentierte er seine Geschäftsidee in der zwölften Staffel der „Höhle der Löwen“. Ausgehend von einem Familienrezept entwickelte Abu-Hamid einen vorbereiteten Falafelteig, der die traditionelle Zubereitung von Falafel vereinfachen soll. Für 15 Prozent seines Unternehmens suchte er damals ein Investment von 51.000 Euro.
Obwohl das Produkt bei den Investoren geschmacklich überzeugen konnte, kam kein Investment zustande. Die Entwicklung des Unternehmens ging dennoch weiter. Heute richtet sich Mamas Falafelteig mit verschiedenen Produkten hauptsächlich an Gastronomie und Großhandel und bedient damit B2B-Kunden. Neben Falafelteig umfasst das Angebot unter anderem Falafel-Burger-Patties, Taler und Croutons. Die Grundlage bildet weiterhin das Familienrezept, mit dem die Gründungsgeschichte begann.
Auch Abu-Hamid gab den Gästen im TGO Einblicke in den Weg von der Bewerbung über die Produktion bis zum tatsächlichen TV-Auftritt. Seine Erfahrungen machten deutlich, dass der Erfolg einer solchen Teilnahme nicht ausschließlich an einem Investment gemessen werden kann. Auch die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit kann für die weitere Marken- und Unternehmensentwicklung relevant sein.
Was Unternehmen aus den Gründergeschichten mitnehmen können
Im Mittelpunkt des Abends stand der Blick hinter die bekannten Fernsehbilder – und die Frage, welche Erkenntnisse sich daraus für Marketing und Unternehmertum ableiten lassen. Die Erfahrungen von Andenkraft und Mamas Falafelteig zeigten, wie wichtig es ist, eine komplexe Geschäftsidee verständlich auf den Punkt zu bringen, eine klare Markengeschichte zu entwickeln und gleichzeitig das eigene Geschäftsmodell und die relevanten Kennzahlen sicher zu beherrschen.
Dabei stehen Andenkraft und Mamas Falafelteig für unterschiedliche Erfahrungen mit der „Höhle der Löwen“. Gemeinsam ist ihnen jedoch die enorme Aufmerksamkeit, die ein solcher Auftritt innerhalb kürzester Zeit erzeugen kann – und die Herausforderung, diese Sichtbarkeit anschließend für die weitere Entwicklung von Marke und Unternehmen zu nutzen.
Nach den Vorträgen blieb deshalb ausreichend Zeit, um Fragen zu stellen, mit den Gründer:innen ins Gespräch zu kommen und sich innerhalb der regionalen Marketing-, Wirtschafts- und Gründungsszene zu vernetzen.
Genau dieser praxisnahe Wissenstransfer und der persönliche Austausch zwischen Gründer:innen, Unternehmen und Fachleuten aus der Region machen Veranstaltungen wie diese auch für das TGO wertvoll. Als Technologie- und Gründungszentrum möchten wir nicht nur Raum für junge Unternehmen bieten, sondern Menschen zusammenbringen, Erfahrungen zugänglich machen und neue Kontakte ermöglichen.