Rund 4.000 Menschen kamen am 26. und 27. August 2026 in die Weser-Ems-Halle Oldenburg, um beim
Growmorrow Festival über die Zukunft unserer Wirtschaft und Gesellschaft zu diskutieren. Zum dritten Mal fand das Zukunftsfestival der Nordwest Mediengruppe in Oldenburg statt, mit einem dichten Programm aus Panels, Pitches und einem lebendigen Gemeinschaftsstand des Gründungsökosystems. Dieser Rückblick zeigt die wichtigsten Themen, Personen und Erkenntnisse der zwei Tage.
Was ist das Growmorrow Festival?
Das Growmorrow Festival ist das Zukunftsfestival im Nordwesten. Es wird von der Nordwest Mediengruppe veranstaltet und bringt kluge Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gründungsszene auf eine gemeinsame Bühne.
Im Zentrum stehen Entwicklungen, die Alltag, Arbeit und Region verändern. Dazu zählen Mobilität, Energieerzeugung, Gesundheit, Bauen und Wohnen, Finanzen, Lebensmittelproduktion, Klimawandel und Künstliche Intelligenz.
2026 fand das Festival bereits zum dritten Mal statt, am 26. und 27. August in der Weser-Ems-Halle Oldenburg. Rund 4.000 Besucher:innen nutzten die zwei Tage, um sich zu informieren, zu vernetzen und Startups aus der Region kennenzulernen.
Die nächste Ausgabe ist für den
1. und 2. September 2027 angekündigt.
Welche Startups präsentierten sich am Gemeinschaftsstand des Gründungsökosystems?
Am Gemeinschaftsstand des Oldenburger Gründungsökosystems zeigten sechs Startups ihre Ideen. Das
TGO Technologie- und Gründungszentrum Oldenburg und der
GO! Startup Incubator organisierten den Stand gemeinsam mit weiteren Akteur:innen der Initiative Gründer:innenfreundlichste Stadt Oldenburg.
Folgende Startups waren mit dabei.
- AI Robotic entwickelt Roboter- und KI-Lösungen für Industrie und Energiewirtschaft, etwa Drohnen zur Inspektion und Reparatur von Stromnetzen und Windkraftanlagen.
- °Clife entwickelt digitale Angebote zu Klima und Gesundheit, die Menschen mit personalisierten Handlungsempfehlungen vor den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels schützen sollen.
- Vereinsticket bietet Sportvereinen eine Ticketing- und Vereinsverwaltungsplattform, mit der sich Events, Mitgliedschaften und Zahlungen digital organisieren lassen.
- diabelly begleitet Schwangere mit Gestationsdiabetes im Alltag mit einer App für Blutzuckerdokumentation, Ernährungsplanung und Wissen zwischen den Arztterminen.
- leges.ai entwickelt sichere KI-Infrastruktur und Workflows für rechtssensible Arbeit in Kanzleien und Unternehmen, von Weiterbildung bis automatisierter Recherche.
- baugenic prüft Bauverträge, Ausschreibungen und Leistungsverzeichnisse mit Künstlicher Intelligenz auf Risiken, Widersprüche und Nachtragspotenzial.
Ein gemeinsamer Stand bündelt die Sichtbarkeit vieler junger Unternehmen an einem Ort. Besucher:innen erleben so auf engem Raum, wie vielfältig die Gründungsszene im Nordwesten bereits ist.
Welcher Gründer:innen-Typ steckt in dir? Das Quiz am Stand
Herzstück des Gemeinschaftsstands war ein digitaler Fragebogen im Quiz-Format. In wenigen Fragen finden Besucher:innen heraus, welcher Gründer:innen- oder Support-Typ zu ihnen passt. Der Test besteht aus vier Fragen und lässt sich direkt auf dem eigenen Handy durchführen, eine digitale Zauberkugel wertet die Antworten aus.
Der spielerische Zugang war bewusst gewählt. Mit dem Gamification-Ansatz sollten Besucher:innen niedrigschwellig dazu motiviert werden, sich mit dem Thema Gründung auseinanderzusetzen und mit den Vertreter:innen des Ökosystems sowie den ausstellenden Startups ins Gespräch zu kommen.
So funktioniert das Quiz im Detail.
- Das Ergebnis gibt es als digitale Sammelkarte direkt aufs Handy, die heruntergeladen und über Social Media geteilt werden kann.
- Zusätzlich liegen alle Typen als gedruckte Karten am Stand aus und können zum Sammeln mitgenommen werden.
- Beworben wurde die Aktion auffällig am Stand und zusätzlich über den digitalen Screen in der Messehalle, sodass auch Besucher:innen abseits der eigenen Fläche eingeladen wurden, ihre Karte abzuholen.
Die Karte verweist zusätzlich auf die Website der Initiative Gründer:innenfreundlichste Stadt Oldenburg unter
gfs-oldenburg.de.
Der Test beruht nicht auf reinem Zufall, sondern auf wissenschaftlichen Modellen. Die Gründer:innen-Typen orientieren sich am Entrepreneurial Mindset Profile des Eckerd College in den USA, das Persönlichkeitsmerkmale erfolgreicher Gründer:innen beschreibt. Die Support-Typen basieren auf dem RKW Gründungsökosystem-Modell, das die zentralen Rollen in einem funktionierenden Gründungsökosystem definiert.
Ziel des Quiz war es, Besucher:innen einen persönlichen und niedrigschwelligen Zugang zum Thema Gründung zu geben und gleichzeitig den direkten Austausch am Stand zu fördern. Wer seinen Typ kennt, erkennt oft auch schneller, welche Unterstützung in Oldenburg und Umland bereits verfügbar ist.
Wird Oldenburg 2035 Geisterstadt oder Startup-Hauptstadt?
Diese zugespitzte Frage stand im Zentrum der Panel-Diskussion VISION GFS. Ausgangspunkt war eine unbequeme Zahl. Alle größten Arbeitgeber Oldenburgs befinden sich in öffentlicher Hand, sind über 60 Jahre alt oder beides.
Auf dem Podium diskutierten Daniel Kraft vom HTI Startup-Accelerator Oldenburg, außerdem Melanie Philip von Pflegepioniere, Jürgen Bath, Geschäftsführer des TGO Technologie- und Gründungszentrum Oldenburg, und Michael Weigel-Jech, Geschäftsführer von SmarAct.
Jürgen Bath ordnete die Ausgangslage in einem anschließenden Statement ein. Oldenburg sei bereits auf einem guten Weg. Es gebe engagierte Menschen, innovative Unternehmen, starke Netzwerke, eine lebendige Gründungsszene und großes Potenzial aus Forschung und Wissenschaft.
Gleichzeitig benannte er offene Handlungsfelder für die kommenden Jahre.
- Eine engere Zusammenarbeit der Akteur:innen in der Region
- Eine bessere Verbindung von Forschung, Wirtschaft und Gründung
- Mehr Infrastruktur für wachsende Firmen und ihre Mitarbeitenden
- Verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen für Startup-Fördernde
- Mehr Sichtbarkeit für Menschen, Ideen und Erfolge der Startup-Szene
Ob Oldenburg tatsächlich zur Startup-Welthauptstadt wird, ließ Bath bewusst offen. Bundesweit ganz oben mitzuspielen, hielt er dagegen für ein realistisches und erstrebenswertes Ziel.
Wie greifbar dieses Potenzial bereits ist, zeigt ein Blick auf Andenkraft. Das Startup war 2022 Teil des GO! Startup Incubator und hat seine Geschäftsadresse bis heute im TGO.
Was macht Scheitern zu einem Erfolg? Die Session Walk of Shame
Gescheiterte Startups gehören zu jedem Gründungsökosystem dazu, auch wenn selten offen darüber gesprochen wird. Genau das änderte sich bei der Session Walk of Shame auf der Silent Stage.
Mike Wilkes, Leiter des GO! Startup Incubator, moderierte das Gespräch mit Isa Nowak und Marian-Noel Eckardt, ehemaliger Founder und Geschäftsführer der MUTUALZ GmbH. Beide hatten genau ein Jahr zuvor auf derselben Growmorrow-Bühne ihre damals noch aktiven Startups gepitcht. Isa Nowak gewann 2025 sogar den Startup-Award des Festivals mit ihrem Unternehmen PLiX Care Innovation GmbH.
2026 kehrten beide zurück, um offen zu erzählen, warum es ihre Unternehmen heute nicht mehr gibt.
Die Kernbotschaft der Session lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Scheitern gehört zum Gründen dazu, es ist überlebbar und macht klüger, und wer den Mut zum Versuch hatte, gewinnt auch dann, wenn das Startup am Ende nicht bleibt.
Im Gespräch wurde deutlich, warum Offenheit über Rückschläge wichtig ist.
- Ehrlichkeit über schwierige Phasen macht Gründer:innen nahbar und senkt die Hemmschwelle für andere
- Beide Gäste sind nach dem Ende ihres Startups gut gelandet, das nimmt die Angst, ein Scheitern könnte das ganze Leben ruinieren
- Die gewonnenen Lehren wirken wie eine Abkürzung im Lernprozess, nicht wie eine Sackgasse
- Das Gründungsökosystem hat beim Aufbau geholfen und trägt auch nach dem Ende eines Startups weiter
- Unterm Strich ist das Risiko einer Gründung oft kleiner als gefühlt, während der persönliche Entwicklungsgewinn real bleibt
Am Ende der Session löste sich der Titel der Veranstaltung auf ungewöhnliche Weise auf. Was sich zunächst wie ein Walk of Shame anfühlte, wurde Schritt für Schritt zu einer Ehrenrunde, fast wie ein Walk of Fame.
Weitere Bühnenhighlights im Überblick
- Neben Ghost Town und Walk of Shame bot die Growmorrow-Bühne über zwei Tage ein breites Programm rund um Innovation, Startup und Gründung.
- AI meets (Startup)-Human, eine Live-Demo mit Jill Baier und Daniel Kraft dazu, wie Künstliche Intelligenz in Echtzeit Rückmeldung zum eigenen Befinden geben kann
- Sports & Startups, ein Panel über neue Geschäftsmodelle im Sport, mit den U17-Segel-Weltmeisterinnen Esther Rodenhausen und Luisa Sophie Becker sowie Vertreter:innen von Vereinsticket, SCOUTASTIC und Fan12
- Männer können es einfach besser, eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, warum acht von zehn Startups von Männern gegründet werden, mit Lena Weirauch, Prof. Dr. Susanne Boll von OFFIS und Julia Schuler vom HTI Startup-Accelerator Oldenburg
- Applaus allein gründet kein Unternehmen, eine Diskussion darüber, was Startups nach dem Pitch wirklich brauchen, unter anderem mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne und Anke Caßing vom High-Tech Gründerfonds
Wer gewann den Startup Award 2026?
Den Startup Award 2026 gewann Andenkraft aus Oldenburg. Das Publikum stimmte während des Festivals per Smartphone ab und entschied sich deutlich für das Team von Justinian und Maren Gomez Moreno.
Die Nordwest-Zeitung berichtete ausführlich über den Gewinn.
Andenkraft produziert und vertreibt Superfood aus der Yacon-Wurzel aus den südamerikanischen Anden, in Form von Brotaufstrichen und Snacks. Das Unternehmen arbeitet dafür mit Kleinbauern in Peru zusammen und unterstützt mit jedem Verkauf ein Trinkwasserprojekt in der Hauptstadt Lima.
Das Preisgeld von 1.000 Euro wollen die Gründer:innen verdoppeln und spenden, ganz im Sinne der eigenen Unternehmensphilosophie.
Andenkraft zeigt beispielhaft, wie Förderung im Oldenburger Gründungsökosystem wirken kann. Das Team war 2022 Teil des GO! Startup Incubator und hat seine Geschäftsadresse bis heute im TGO Technologie- und Gründungszentrum Oldenburg.
Was das Growmorrow Festival 2026 über die Gründungsszene im Nordwesten zeigt
Zwei Tage, ein Gemeinschaftsstand mit sechs Startups, ehrliche Gespräche über Scheitern und eine offene Diskussion über die wirtschaftliche Zukunft Oldenburgs. Das Growmorrow Festival 2026 hat gezeigt, wie lebendig und vernetzt das Gründungsökosystem im Nordwesten bereits ist.
Wer selbst eine Gründungsidee mit sich trägt, muss darauf nicht bis zum nächsten Festival warten.
Der GO! Startup Incubator nimmt Bewerbungen für Batch #19 noch bis zum 15. November 2026 entgegen. Das TGO Technologie- und Gründungszentrum Oldenburg begleitet Gründer:innen zusätzlich das ganze Jahr über, von der ersten Idee bis zum passenden Büro oder Labor.
Das Growmorrow Festival kehrt am
1. und 2. September 2027 zurück in die Weser-Ems-Halle Oldenburg. Bis dahin lohnt sich schon jetzt der erste Schritt ins Ökosystem.
Häufige Fragen zum Growmorrow Festival 2026
Wann und wo fand Growmorrow 2026 statt?
Das Festival fand am 26. und 27. August 2026 in der Weser-Ems-Halle Oldenburg statt, zum dritten Mal in Folge.
Wie viele Besucher:innen kamen zum Festival?
Rund 4.000 Menschen besuchten das Growmorrow Festival über die zwei Tage.
Wer gewann den Startup Award 2026? Das Oldenburger Startup Andenkraft gewann den Publikumspreis mit seinem Superfood aus der Yacon-Wurzel.
Was ist der Gründer:innen-Typ-Test am Stand des Gründungsökosystems? Ein Quiz aus vier Fragen, das auf Basis wissenschaftlicher Modelle den persönlichen Gründer:innen- oder Support-Typ bestimmt, inklusive digitaler und gedruckter Sammelkarte als Erinnerung.
Wie kann ich mich für den GO! Startup Incubator bewerben?
Die Bewerbungsphase für Batch #19 läuft bis zum 15. November 2026, weitere Informationen gibt es auf der Programmseite des GO! Startup Incubator.
Wann findet Growmorrow 2027 statt?
Die nächste Ausgabe ist für den
1. und 2. September 2027 angekündigt.
Fotos: Jannis Dirksen