KMU x Start-ups: Drei Wege, wie Digitalisierung im Unternehmen konkret wird
Eine zentrale Datenbasis statt vieler einzelner Prozessschritte, digitale Verwaltungsabläufe und ein Energiezwilling für fundierte Investitionsentscheidungen: Bei der aktuellen Ausgabe von „KMU x Start-ups = Innovation in Aktion“ wurde Digitalisierung nicht abstrakt diskutiert, sondern anhand konkreter Anwendungen aus dem Unternehmensalltag greifbar gemacht.
Am 30. September kamen dafür erneut mittelständische Unternehmen und Start-ups im Technologie- und Gründungszentrum Oldenburg (TGO) zusammen. Das gemeinsame Format von
Wirtschaftsförderung Stadt Oldenburg und TGO, begleitet von der
Oldenburgischen IHK und der
Handwerkskammer Oldenburg, bringt gezielt Unternehmen mit jungen Technologieanbietern aus der Region ins Gespräch. Im Mittelpunkt standen diesmal
transcide,
Azubi Digital und
Lupix Energy.
transcide und Yachtglass: Komplexe Prozesse auf einer Datenbasis zusammenführen
Wie eine solche Zusammenarbeit bereits in der Praxis aussehen kann, zeigten transcide und Yachtglass gemeinsam.
Beim mittelständischen Fertigungsunternehmen
Yachtglass treffen zahlreiche Daten und Prozessschritte rund um Produktions- und Kapazitätsplanung aufeinander. transcide berichtete beim Event, wie daraus innerhalb von rund drei Monaten eine zentrale Datenplattform entwickelt wurde, auf der die relevanten Informationen zusammengeführt und für weitere Auswertungen nutzbar gemacht werden können.
Der Ansatz entspricht dem sogenannten Data Center von transcide: Unterschiedliche Quellsysteme werden angebunden, Daten strukturiert aufbereitet und bis hin zum fertigen Reporting in einer zentralen Infrastruktur verfügbar gemacht. Für Unternehmen entsteht dadurch eine gemeinsame und verlässlichere Datengrundlage für operative und strategische Entscheidungen. transcide
Gerade der gemeinsame Auftritt von Start-up und Kunde machte sichtbar, was das Format erreichen möchte: Nicht nur eine Technologie vorstellen, sondern zeigen, welches konkrete Problem damit im Unternehmensalltag gelöst wurde und wie der Weg dorthin aussah.
Azubi Digital: Verwaltungsprozesse durchgängig digital denken
Einen ganz anderen Bereich nahm Azubi Digital in den Blick. Das Unternehmen entwickelt eine zentrale Verwaltungsplattform für Kammern und Innungen, die unter anderem Ausbildungs-, Mitglieder- und Prüfungsprozesse miteinander verbindet.
Statt Informationen über verschiedene Anwendungen und Medien hinweg zu verwalten, sollen Daten durchgängig verfügbar sein. Dazu gehören beispielsweise die Verwaltung von Auszubildenden und Mitgliedern, Dokumente und Statistiken, Schnittstellen zu bestehenden Systemen sowie automatisierte Abläufe von der Vertragserstellung bis zum Prüfungsprozess. Azubi Digital
Beim Abend wurde dabei auch deutlich: Das zugrunde liegende Prinzip wäre grundsätzlich auf weitere Verwaltungsbereiche übertragbar. Azubi Digital konzentriert sich derzeit jedoch bewusst auf Kammern und Innungen, deren Prozesse und Anforderungen die Lösung gezielt abbildet.
Das Beispiel zeigte damit auch, dass Digitalisierung nicht zwangsläufig bedeutet, bestehende Abläufe lediglich digital nachzubauen. Potenzial entsteht vor allem dort, wo Prozesse zusammengeführt, Medienbrüche reduziert und wiederkehrende Arbeitsschritte automatisiert werden.
Lupix Energy: Erst Szenarien vergleichen, dann investieren
Bei Lupix Energy stand eine andere unternehmerische Entscheidung im Mittelpunkt: Wie lässt sich beurteilen, welche Energieversorgung für einen Standort technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, bevor investiert wird?
Mit berta & rudi erstellt Lupix Energy digitale Zwillinge von Energiesystemen. Strom-, Wärme-, Mobilitäts- und Produktionssysteme können gemeinsam mit Anlagen, Energieflüssen, Lastprofilen sowie wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen in einem Modell abgebildet werden. Anschließend lassen sich unterschiedliche Versorgungsszenarien simulieren und miteinander vergleichen.
Damit verschiebt sich die Fragestellung: Nicht eine bestimmte Technologie steht am Anfang, sondern die Frage, welche Variante unter den jeweiligen Bedingungen für ein Unternehmen sinnvoll ist. Investitionsentscheidungen können so auf einer gemeinsamen technischen und wirtschaftlichen Datengrundlage vorbereitet werden.
Von konkreten Anwendungen zum direkten Austausch
Die drei Beispiele hätten unterschiedlicher kaum sein können – und genau darin lag der Mehrwert des Abends. Digitalisierung zeigte sich als Werkzeug für sehr verschiedene betriebliche Fragestellungen: bei transcide als Grundlage für datenbasierte Produktionsplanung, bei Azubi Digital in durchgängigen Verwaltungsprozessen und bei Lupix Energy als Entscheidungsgrundlage für komplexe Energiesysteme.
Nach den Präsentationen ging es deshalb bewusst in den direkten Austausch. Die teilnehmenden Unternehmen konnten eigene Fragestellungen einbringen, Anwendungsmöglichkeiten diskutieren und mit den Start-ups ins Gespräch kommen.
Genau an dieser Stelle setzt KMU x Start-ups = Innovation in Aktion an: Im TGO treffen Unternehmen mit konkreten Herausforderungen auf Start-ups, die neue technologische Ansätze bereits entwickeln und anwenden. So wird aus einem Pitch im besten Fall der Beginn eines fachlichen Austauschs – und aus einer zunächst allgemeinen Herausforderung eine Fragestellung, an der gemeinsam weitergearbeitet werden kann.
Vielen Dank an transcide und Yachtglass, Azubi Digital und Lupix Energy für die praxisnahen Einblicke sowie an alle Teilnehmer:innen für den Austausch bei uns im TGO.